WHO stellt Note ungenügend aus

| Die neue, heute veröffentlichte WHO-Studie lässt aufhorchen, schafft es direkt in alle großen Nachrichtenmedien und sorgt irgendwie doch nur für ein weiteres Déjà-vu Erlebnis mit dem bitteren Beigeschmack, dies alles bereits schon zu oft gehört zu haben, ohne das sich daran bisher entscheidend etwas ändert.

Daran wird abermals deutlich, dass in Politik und Gesellschaft den Themen Bewegung, Gesundheit und Sport kaum noch bis gar keine Bedeutung mehr zugemessen wird. So wird wohl auch diese eigentlich so wichtige Meldung wieder nur ein kurzes Strohfeuer bleiben, bei welcher sich heute kurz darüber echoviert wird und bereits morgen wieder kein Hahn mehr danach kräht, wenn sich nicht grundlegend etwas in unserem Denken und besonders im Handeln ändert. Denn nur wer tatsächlich handelt, verändert auch etwas. Und dabei ist die inhaltlich schon so oft beschriebene Tatsache, welche heute auch die Süddeutsche Zeitung im Zusammenhang mit der neuen WHO-Studie zitiert, doch eigentlich ein klares Argument dafür, endlich etwas zu unternehmen.

So zitiert die Süddeutsche stellvertretend für viele Vorredner Martin Halle, Direktor des Instituts für Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München: „Die kognitive Leistung, das Verknüpfen von Neuronen, ist wesentlich besser, wenn man körperlich aktiv ist.“ Weiter merkt Halle gegenüber der Süddeutschen an, dass selbst die vermeintliche Fastfood Nation der Vereinigten Staaten in der neuen WHO-Studie besser als Deutschland abschneidet und zwar aus einem einfachen Grund: „Das liegt daran, dass dort jeden Tag eine Stunde Sport auf dem Stundenplan steht.“ Halle fordert dies im Bericht der Süddeutschen Zeitung nun auch für Deutschland – ein Ansatz, den wir nur unterstützen können. Besonders der Schulsport hat schon zulange keine ausreichende Lobby mehr, wodurch in der Vergangenheit politisch die falschen Entscheidungen getroffen wurden und/oder Probleme weiterhin wegignoriert und kleingeredet werden.

Die Ergebnisse dieser Studie sollten deshalb zu einem überfälligen Umdenken besonders in der Bildungspolitik führen. Dem Schulsport, der als einziges Fach alle bewegt, muss als Weichensteller für eine gesunde und bewegte Lebensweise endlich wieder eine höhere Bedeutung zugemessen werden. Dass heißt beispielsweise auch bezogen auf unser Bundesland Sachsen, aus unserer Sicht falsche politische Entscheidungen zurückzunehmen. Man denke dabei nur an unsere Petition „Für eine bewegte Schulzukunft unserer Kinder und Jugendlichen“ aus dem Jahr 2018 mit fast 30.000 Unterstützern und dem niederschmetternden Umgang damit.

Darüber hinaus sollte endlich über die tägliche Sportstunde nachgedacht werden – wie sie auch Halle heute in der Süddeutschen fordert, um die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen aufzufangen und wieder in eine gesündere Zukunft zu lenken. Das einseitige Wegschieben von Verantwortungen und Zuständigkeiten seitens der Politik muss endlich ein Ende haben und die Förderung des Schulsports wieder zur staatlichen Pflichtaufgabe erklärt werden. Ein Auslagern  von Verantwortung in den außerschulischen Bereich ist keine Lösung und zeigt vielmehr den Unwillen der Politik sich ernsthaft mit Problemen, wie sie auch erneut die aktuelle WHO-Studie zu Tage fördert, zu beschäftigen. Das sich 81 Prozent (in Deutschland sogar 87,9 Prozent der Mädchen und 79,7 Prozent der Jungen) der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren weltweit weniger als eine Stunde am Tag bewegen und damit längst nicht mehr die Mindestempfehlung der Weltgesundheitsorganisation erreichen, kann nicht länger mit einem unwilligen Achselzucken hingenommen werden. Vor allem, wenn in den Ergebnissen dieser Studie Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten immer mehr ins Hintertreffen gerät. Die Ressourcen unseres Landes, auch in Bezug auf unseren wirtschaftlichen Erfolg, sind die hier lebenden Menschen. Sie sollten uns jeden Cent wert sein, damit sie gesund bleiben. Und wo, wenn nicht im Schulsport kann dieser Grundstein für eine gesunde und bewegte Lebensweise am besten gelegt werden. Selbst wenn der Schulsport hier nicht die alleinige Lösung im Kampf gegen Übergewicht, für mehr Bewegung und eine gesunde Lebensweise seien kann, so muss er dennoch wieder mehr Bedeutung erhalten. Zudem müssen vor allem diejenigen, die sich für ihn einsetzen, gehört, ernstgenommen und ihre Ideen aufgegriffen und endlich umgesetzt werden.

Deshalb fordern wir, Sachsen beweg dich! Löse dich vom Übergewicht der Untätigkeit! Setze den Schulsport wieder auf die Agenda! Der Sportlehrerverband Sachsen wird hierbei gerne unterstützend tätig und würde jede Art von Initiative in diese Richtung begrüßen.

 

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